Kernseife – das natürliche Hausmittel

Ob zur Behandlung hartnäckiger Flecken, zur Körperflege oder als Mittel gegen Blattläuse: Kernseife ist ein wahrer Alleskönner im Haushalt und wird seit Generationen als vielseitiges Hausmittel geschätzt.  Als natürliche Alternative zu synthetischen Tensiden wird die klassische Kernseife seit einigen Jahren neu entdeckt. Doch was ist Kernseife eigentlich und wie verwendet man sie richtig?

Handgemachte Kernseife als Wohlfühl-Produkt

Klassische Kernseife ist reine Seife – ohne weitere Inhaltsstoffe wie Parfüm, Glycerin, Öle oder andere Zusatzstoffe. Dadurch ist sie auch für Allergiker geeignet. Die meisten Kernseifen für Haut und Haar, darunter auch die weltberühmten Seifen aus Marseille und Aleppo, enthalten allerdings einen Überschuss an Öl, wodurch sie nicht nur sehr mild sind, sondern auch pflegende und rückfettende Eigenschaften besitzen.

Als wertvolles Naturprodukt erhält man Kernseife durch das Kochen („Verseifen“) von pflanzlichem oder tierischem Fett mit Wasser und Soda. Der Name „Kernseife“ leitet sich aus der Herstellung ab: durch den Zusatz von Kochsalz wird der Seifenkern vom Seifenleim als feste und oben schwimmende Schicht abgetrennt und in Blöcken getrocknet. Die so entstandene Kernseife ist stark oberflächenaktiv, d.h. sie löst Schmutz und macht wasserabweisende Oberflächen benetzbar. Und genau dieser Effekt macht das alte Hausmittel zu einem extrem vielseitigen Helfer in Haus und Garten.

Kernseife für Kosmetik & Körperpflege

Kernseife als Alternative zu Duschgel und Shampoo

Kernseife ist ein effektives Reinigungsmittel für Haut & Haar.

Bereits in der Antike und im Mittelalter wurde Seife für die Körperpflege verwendet. Auch heute wird Kernseife noch vielfach zur Reinigung von Haut & Haar verwendet, gerade bei sehr schmutzigen und fettigen Händen. Aber auch als Alternative zu einem handelsüblichen Shampoo oder Duschgel aus dem Supermarkt leistet Kernseife gute Dienste.

Bei der Verwendung von Kernseife in der Körperpflege kommen der Kernseife zwei Effekte zugute: Kernseife ist nicht nur äußerst waschaktiv sondern durch seinen hohen pH-Wert auch bakterizid.

  • Kernseife löst äußerst effektiv Fett und reinigt dadurch Haut und Haare von Schmutz und abgestorbenen Hautschuppen.
  • Durch die bakterizide Wirkung werden Mikroorganismen abgetötet. Regelmäßiges Waschen der Hände schützt gerade zur Grippezeit effizient vor Ansteckung mit Viren und Bakterien.

Wegen dieser beiden Eigenschaften wird Kernseife oftmals auch bei Akne und unreiner Haut empfohlen

Je nach Hauttyp können mehr oder weniger rückfettende Kernseifen verwendet werden. Bei trockener Haut empfiehlt sich eine Kernseife mit einem Überschuss an pflegenden Ölen (z.B. Olivenöl), bei fettiger Haut eine klassische Kernseife ohne Lipidüberschuss. Wichtig: im Gegensatz zu einem flüssigen Duschgel oder Shampoo ist Kernseife hochkonzentriert und sollte daher sparsam dosiert werden. Wie bei allen Mitteln zur Körperreinigung gilt: zu viel davon kann die Haut austrocknen und die Haare spröde machen.

 

Bekämpfung von Blattläusen

Blattläuse lassen sich ganz natürlich mit Kernseife entfernen (Foto: Henrik Larsson)

Wer kennt sie nicht, die fiesen Viecher im Haus und Garten? Gut zu wissen: Kernseife ist eines der effektivsten Hausmittel zur Bekämpfung von Schädlingen wie Blattläusen und Thripsen (Blasenfüßen). Und das völlig ohne Gift und chemische Insektizide. Hierfür werden die befallenen Blätter und Stiele mit einer Mischung aus warmem Wasser und Kernseife besprüht. Im Gegensatz zu den meisten handeslsüblichen Seifen und Spülmittel aus dem Supermarkt enthält eine solche Formulierung keinerlei synthetischen Inhaltsstoffe und ist daher zu 100% biologisch abbaubar. Für die Seifenlauge zum Besprühen hat sich folgende Mischung bewährt: ca. ein Esslöffel Seife pro Liter Wasser. Mit Hilfe einer handelsüblichen Sprühflasche wird die Seifenlauge dann großzügig auf die Pflanze aufgesprüht.

Mildes Fein- und Wollwaschmittel

Bereits mehrere Tausend Jahre vor unserer Zeitrechnung wurde Seife zum Waschen von Wolle verwendet. Das älteste Zeugnis bezüglich der Herstellung und Verwendung von Seife wurde auf einer sumerischen Keilschrifttafel gefunden, die mehr als 2000 Jahre vor unserer Zeitrechnung entstanden ist. In der Tafel wird die Herstellung von Seife aus Pflanzenasche und Öl beschrieben, sowie deren Verwendung, um wollene Kleidung zu waschen.

Auch heute noch kann man Kernseife zum Waschen verwenden. Handelsübliche Voll- und Feinwaschmittel enthalten neben Bleichmitteln meist auch bestimmte Enzyme (Proteasen), die proteinhaltigen Schmutz z.B. aus Speiseresten abbauen . Das Problem: auch Wolle oder Seide besteht aus Proteinen, weshalb man für solche Textilien ein spezielles Wollwaschmittel benötigt. Auch hier stellt Kernseife eine preisgünstige, umweltfreundliche und äußerst wirksame Alternative dar. Verbreitet ist hierbei vor allem eine Kombination mit Natron (Natriumhydrogenkarbonat): feingeriebene Kernseife zu gleichen Teilen mit Natron mischen und hiervon je nach Verschmutzung 2-4 Esslöffel statt Waschpulver in die Maschine geben.

Kernseife eignet sich auch hervorragend zum Entfernen hartnäckiger Flecken (z.B. Blut, Rotwein oder Gras). Hierzu werden die Flecken erst mit etwas Wasser befeuchtet und anschließend mit der Kernseife eingerieben. Nach ca. 30 min Einwirken können die Textilien ganz normal zusammen mit anderen Kleidungsstücken in der Waschmaschine gewaschen werden.

Allzweckreiniger für Haus und Garten

Noch vor 50 Jahren war Kernseife täglich im Gebrauch und wurde als Allzweckreiniger für eigentlich alles im Haushalt benutzt: ob für die Reinigung von Böden, der Küche oder von Fenstern – überall wurde das vielseitige Hausmittel benutzt, auch als Waschmittel und zur Reinigung des Körpers. Erst die industrielle Herstellung billiger synthetischer Tenside (z.B. Alkylsulfate) führte zu einer Verdrängung der Kernseife im Haushalt. Dabei wurden viele dieser synthetischen Stoffe (z.B. Natriumlaurylsulfat) mittlerweile als Allergie-auslösend oder hautreizend gebrandmarkt.

Herstellung von Filz

Kernseife ist neben Wolle und heißem Wasser eine der Grundzutaten bei der Herstellung von Filz. Beim Filzen wird Wolle mit Hilfe der Seife und heißem Wasser benetzt. Durch die Kernseife stellen sich die Schuppen in der obersten Schuppenschicht der Wolle (Cuticula) auf. Die gleichzeitige mechanische Behandlung (Walken) bewirkt, dass sich die Wollfasern ineinander verkeilen, wodurch ein festes Vlies entsteht.